Die drei Bausteine: Haftpflicht, Teilkasko, Vollkasko
Wenn in Deutschland jemand von Autoversicherung spricht, meint er fast immer eine Kombination aus drei Teilen. Einer ist Pflicht, zwei sind freiwillig. Du entscheidest selbst, wie viel Schutz du willst, und genau das macht am Ende den Unterschied im Beitrag aus.
- Haftpflicht (Pflicht): Zahlt Schäden, die du anderen zufügst: an Personen, fremden Autos oder Sachen. Ohne sie gibt es keine Zulassung.
- Teilkasko (freiwillig): Schützt dein eigenes Auto gegen Diebstahl, Glasbruch, Brand, Sturm, Hagel und Wildunfälle.
- Vollkasko (freiwillig): Enthält die Teilkasko und zahlt zusätzlich bei selbst verschuldeten Unfällen und Vandalismus.
Teil- und Vollkasko bauen aufeinander auf. Jede Stufe schützt mehr, kostet aber auch mehr. Welche zu dir passt, hängt vor allem vom Wert deines Autos ab.
| Baustein |
|---|
| Haftpflicht |
| Teilkasko |
| Vollkasko |
Haftpflicht: was Pflicht ist und was sie zahlt
Die Haftpflicht ist der Kern. Sie ist gesetzlich vorgeschrieben (§ 1 PflVG), weil sie nicht dich schützt, sondern die anderen: Wenn du einen Unfall verursachst, zahlt sie den Geschädigten Behandlungskosten, Reparaturen und Folgeschäden. Genau deshalb lässt die Zulassungsstelle dein Auto ohne Haftpflicht nicht zu.
Wichtig ist die Deckungssumme, also der Höchstbetrag, den die Versicherung pro Schaden übernimmt. Die gesetzliche Mindestdeckung für Personenschäden liegt bei 7,5 Millionen Euro (§ 4 PflVG, Anlage). Das klingt nach viel, kann bei einem schweren Unfall mit Dauerschäden aber knapp werden. Deshalb bieten viele Versicherer 100 Millionen Euro pauschal an, oft ohne nennenswerten Aufpreis. Wenn du die Wahl hast, nimm die hohe Summe.
Was deinen Beitrag bestimmt
Zwei Menschen können für dasselbe Automodell sehr unterschiedliche Beiträge zahlen. Der Grund: Die Versicherer schätzen dein persönliches Risiko und gewichten dafür mehrere Faktoren. Den stärksten Hebel hast du selbst nicht sofort in der Hand, mit der Zeit aber schon.
| Faktor | Einfluss |
|---|---|
| Schadenfreiheitsklasse | sehr hoch |
| Regionalklasse | hoch |
| Fahreralter | hoch |
| Typklasse | mittel |
| Fahrleistung, Garage, SB | mittel |
Konkrete Durchschnittsbeiträge schwanken stark. Als grobe Orientierung: Die vom GDV veröffentlichten Durchschnittsprämien lagen zuletzt bei rund 256 Euro pro Jahr für die Haftpflicht (2023), etwa 321 Euro für Vollkasko (2022) und rund 82 Euro für Teilkasko (2023). Dein eigener Beitrag kann deutlich darüber oder darunter liegen. Was es bei dir kostet, rechnest du am besten direkt aus. Eine ausführliche Aufschlüsselung findest du in unserem Ratgeber zu den KFZ-Versicherung Kosten und zu den Prämien 2026.

Neu in Deutschland? Das ist für dich wichtig
Wenn du gerade erst hergezogen bist, gibt es drei Punkte, die im Standard-Ratgeber oft fehlen, dir aber bares Geld und Zeit sparen.
1. Schadenfreiheitsklasse aus dem Ausland
Kommst du aus der EU oder dem EWR, muss dein deutscher Versicherer deine schadenfreien Jahre anerkennen, sofern du eine Bestätigung im EU-Standardformat vorlegst (§ 5c PflVG i. V. m. EU-Richtlinie 2021/2118). Das kann deinen Beitrag spürbar senken. Aus Ländern wie der Türkei, den USA oder Großbritannien gibt es keine gesetzliche Pflicht zur Anerkennung. Manche Versicherer rechnen die Jahre trotzdem ganz oder teilweise an. Frag deshalb vor dem Abschluss aktiv nach und lass dir von deinem alten Versicherer eine Bestätigung in Englisch oder Deutsch geben.
2. Die eVB-Nummer für die Zulassung
Die eVB-Nummer (elektronische Versicherungsbestätigung) ist ein siebenstelliger Code, der deine gültige Haftpflicht bestätigt. Ohne sie meldet die Zulassungsstelle dein Auto nicht an. Du bekommst sie von deinem Versicherer, bei Online-Tarifen meist in wenigen Minuten per E-Mail.
3. Erst Versicherung, dann Zulassung
Die Reihenfolge ist fest: Du schließt zuerst die Haftpflicht ab, bekommst die eVB-Nummer und gehst damit zur Zulassungsstelle. Plane den Versicherungsabschluss also vor deinem Termin ein.
Tarife direkt vergleichen
Wenn du die Bausteine verstanden hast, siehst du im kostenlosen Vergleich sofort, was ein Tarif bei deinem Auto kostet. Trag Fahrzeug, SF-Klasse und Postleitzahl ein, das Ergebnis kommt in rund zwei Minuten.
Werbehinweis: Der Vergleich wird von unserem Partner Tarifcheck (cpref 197902) bereitgestellt. Schließt du darüber ab, erhalten wir eine Provision, für dich ohne Mehrkosten. Die angezeigten Angebote werden dadurch nicht beeinflusst.
Kündigung und Wechsel: die Fristen
Du bist nicht für immer an deinen Tarif gebunden. Die ordentliche Kündigungsfrist liegt bei einem Monat vor Ende des Versicherungsjahres (§ 11 VVG). Da die meisten Verträge vom 1. Januar bis 31. Dezember laufen, ist der Stichtag in der Regel der 30. November.
Wann du außerdem kündigen darfst
- Nach einer Beitragserhöhung: innerhalb eines Monats nach der Mitteilung (§ 40 VVG).
- Nach einem Schadensfall: beide Seiten dürfen kündigen (§ 92 VVG).
- Beim Fahrzeugverkauf: der Vertrag geht zunächst auf den Käufer über, du meldest den Verkauf deinem Versicherer.
Wie der Wechsel Schritt für Schritt läuft, liest du in unserem Ratgeber KFZ-Versicherung wechseln. Wichtig: Sorg für lückenlosen Schutz und schließe den neuen Vertrag ab, bevor der alte endet.
Beitrag senken: wo es wirklich etwas bringt
Sparen heißt bei der Autoversicherung selten tricksen, sondern die richtigen Stellschrauben kennen. Laut Stiftung Warentest holt ein regelmäßiger Vergleich oft mehrere hundert Euro im Jahr heraus. Eine Werkstattbindung senkt den Beitrag im Schnitt um rund 11 Prozent (Finanztip), kostet dich aber die freie Werkstattwahl. Auch eine höhere Selbstbeteiligung und eine realistische Kilometerangabe helfen.
Alle Sparhebel im Detail findest du in unserem Ratgeber 6 KFZ-Versicherung Vorteile und Spartipps. Dort gehen wir jeden Hebel einzeln durch.
