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Ratgeber für Beamte & Anwärter · Stand 26. Mai 2026

Beihilfekonforme PKV günstig: Beamten-Tarife verstehen und fair vergleichen

Beihilfekonform heisst: Dein Dienstherr zahlt 50 bis 80 Prozent der Krankheitskosten als Beihilfe, deine PKV deckt den Rest. Das macht Tarife für Beamte deutlich günstiger als die GKV. Wie viel du wirklich sparen kannst, hängt vom Bemessungssatz, vom Eintrittsalter und vom gewählten Selbstbehalt ab.

Das Wichtigste in Kürze

  • Als Beamtin oder Beamter zahlst du in der PKV nur den Anteil, den deine Beihilfe nicht abdeckt. Standard sind 50 %, mit zwei oder mehr Kindern 70 %.
  • Beihilfekonforme Tarife (oft "Restkostentarife" genannt) sind exakt auf diese Quoten zugeschnitten. Keine Doppelversicherung.
  • Drei Stellschrauben senken den Beitrag: niedriges Eintrittsalter, moderater Selbstbehalt und Verzicht auf nicht gebrauchte Premium-Bausteine.
  • Auch bei Vorerkrankungen gibt es einen Weg in die PKV. Die Öffnungsaktion des PKV-Verbandes sichert teilnehmende Versicherer zu erleichterter Aufnahme.
Schreibtisch einer Beamtin oder eines Beamten — Unterlagen für die beihilfekonforme PKV

Hinweis für ausländische Beamte

Wenn du als Fachkraft aus dem Ausland verbeamtet wirst, etwa als Hochschullehrkraft oder im Lehrdienst, hast du dieselben Beihilfeansprüche wie deutsche Beamte. Die Antragsformulare der Versicherer sind allerdings juristisch präzise auf Deutsch formuliert. Eine zweisprachige Beratung lohnt sich. Auf civil-servant-health-insurance-germany-cheap und memur saglik sigortasi haben wir denselben Inhalt auf Englisch und Türkisch zusammengefasst.

Was bedeutet "beihilfekonform"?

Beamtinnen und Beamte haben in Deutschland einen besonderen Status: Der Dienstherr (Bund, Land, Kommune) beteiligt sich an den Krankheitskosten. Diese Beteiligung heisst Beihilfe. Sie ist keine Versicherung, sondern eine direkte Erstattung von Rechnungen.

Den Rest deckst du selbst ab, in der Regel über eine private Krankenversicherung. Tarife, die exakt auf den Beihilfesatz zugeschnitten sind, nennt man beihilfekonform. Der Versicherer übernimmt nur den Teil, den die Beihilfe offen lässt, also typischerweise 30 oder 50 Prozent. Das ist der Grund, warum die Beiträge spürbar niedriger ausfallen als bei einer Vollversicherung.

Wichtig zu wissen: Beihilfekonform und Vollversicherung sind zwei verschiedene Welten. Eine Vollversicherung würde 100 Prozent abdecken und wäre für Beamte fast immer überdimensioniert, weil ein Teil ohnehin durch die Beihilfe geleistet wird.

Wie viel Beihilfe bekommst du?

Die Bemessungssätze sind in der Bundesbeihilfeverordnung (BBhV) und in den entsprechenden Verordnungen der einzelnen Bundesländer geregelt. Die Sätze unten gelten als Standard, einzelne Länder weichen leicht ab.

PersonengruppeBeihilfe (Dienstherr)PKV-Restkosten
Beamtin / Beamter (aktiv, ohne oder mit einem Kind)50 %50 %
Beamtin / Beamter mit zwei oder mehr berücksichtigungsfähigen Kindern70 %30 %
Berücksichtigungsfähige Ehegattin / Ehegatte (mit Einkommensgrenze)70 %30 %
Berücksichtigungsfähige Kinder80 %20 %
Pensionärin / Pensionär (Ruhestand)70 %30 %

Quelle: Beihilfevorschriften des Bundes (BBhV) und der jeweiligen Bundesländer, zusammengefasst durch den Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband). Die Anhebung von 50 auf 70 Prozent bei Kindern oder im Ruhestand erfolgt bedingungsabhängig. Deine Beihilfestelle gibt dir den genauen Stand zu deiner Person.

Sonderfall: Risikozuschlag und seine Begrenzung

Wer in die PKV wechselt, durchläuft eine Gesundheitsprüfung. Bei Vorerkrankungen kann der Versicherer einen Risikozuschlag erheben. Dieser ist nicht unbegrenzt, sondern in bestimmten Fällen begrenzt (geregelt im Versicherungsaufsichtsgesetz und in branchenspezifischen Vereinbarungen). Praktisch heisst das: Selbst bei Vorerkrankungen ist der Zuschlag kalkulierbar. Über die Öffnungsaktion sind weitere Erleichterungen möglich.

Pauschale oder individuelle Beihilfe — was passt zu dir?

Klassisch funktioniert die Beihilfe einzelfallbezogen: Du reichst Arztrechnungen ein, deine Beihilfestelle erstattet den Anteil, deine PKV den Rest. Das nennt sich individuelle Beihilfe.

Seit einigen Jahren bieten mehrere Bundesländer ein zweites Modell an: die pauschale Beihilfe. Statt deine Rechnungen einzeln zu erstatten, zahlt dein Dienstherr einen festen Zuschuss zu deiner Krankenversicherung. Du brauchst dann allerdings einen Tarif, der 100 Prozent abdeckt, weil keine individuelle Beihilfe mehr fliesst.

Individuelle Beihilfe

Funktionsweise: Du reichst Rechnungen einzeln ein, bekommst den Beihilfeanteil zurück.

Vorteile: Beihilfekonforme PKV-Tarife sind günstiger. Du zahlst nur für den Restanteil.

Nachteile: Mehr Verwaltung, weil du jede Rechnung einreichen musst.

Pauschale Beihilfe

Funktionsweise: Dein Dienstherr zahlt einen festen Pauschalzuschuss zur Krankenversicherung.

Vorteile: Deutlich weniger Bürokratie. Du brauchst keine Beihilfeanträge einzureichen.

Nachteile: Höhere Beiträge (du brauchst 100 % Schutz). Die Wahl ist meist bindend.

Faustregel aus der Praxis: Wer jung, gesund und planbar gesund bleibt, fährt mit der individuellen Beihilfe oft günstiger. Wer Wert auf eine Sache weniger im Kopf legt und planbare Beiträge möchte, kann die pauschale Beihilfe prüfen. Welche Bundesländer aktuell welche Variante anbieten, ändert sich. Eine verlässliche Übersicht findest du bei deinem Dienstherrn oder beim PKV-Verband.

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Was bestimmt deinen Beitrag?

Anders als in der GKV ist der Beitrag in der PKV individuell. Er hängt von fünf Faktoren ab — vier davon kannst du beeinflussen.

FaktorWirkungPraxisbeispiel
EintrittsalterSehr hochWer mit 25 als Anwärter einsteigt, zahlt lebenslang weniger als jemand, der erst mit 38 wechselt.
Bemessungssatz (50 / 70 / 80 %)HochBei 70 % Beihilfe deckt dein Tarif nur 30 % Restkosten ab. Der Beitrag fällt entsprechend.
Selbstbehalt pro JahrMittel bis hochEin Selbstbehalt im niedrigen dreistelligen Bereich senkt den Monatsbeitrag spürbar.
Tarifumfang (Einbettzimmer, Chefarzt, Zahn)MittelPremium-Bausteine kosten extra. Manche sind sinnvoll, andere verzichtbar.
Gesundheitszustand bei AntragstellungVariabelBei Vorerkrankungen ggf. Risikozuschlag. Die Öffnungsaktion des PKV-Verbandes kann helfen.

Warum wir hier keine festen Monatsbeiträge nennen

Tarife ändern sich monatlich, und individuelle Beiträge schwanken stark. Eine pauschale Zahl wäre für deine konkrete Situation oft irreführend. Im Vergleich oben siehst du, was aktuell für dein Profil aufgerufen wird. Als grobe Hausnummer aus dem Marktüberblick (etwa dem Beamten-PKV-Test von Handelsblatt 2026, bewertet durch das Analysehaus Franke und Bornberg): Aktive Beamten-Tarife für eine 30-jährige Person mit 50 % Beihilfe liegen im niedrigen dreistelligen Bereich pro Monat. Anwärter-Tarife liegen darunter. Verbindlich ist erst dein persönliches Angebot.

Praxis

Sechs Stellschrauben für niedrige Beiträge

Die folgenden Ansätze stammen aus der Beratungspraxis und decken sich mit den Empfehlungen unabhängiger Verbraucher-Magazine wie Finanztip.

1. Früh einsteigen

Jedes Jahr, das du eher in die PKV gehst, sichert dir günstige Beiträge auf Lebenszeit. Anwärter zahlen für vergleichbaren Schutz weniger als aktive Beamte mit 35 oder 40.

2. Selbstbehalt bewusst wählen

Ein moderater Selbstbehalt von etwa 300 bis 600 Euro pro Jahr ist für viele eine sinnvolle Mitte. Du senkst den Monatsbeitrag, ohne im Schadensfall überrumpelt zu werden.

3. Beitragsrückerstattung mitnehmen

Reichst du in einem Kalenderjahr keine Rechnung ein, zahlen viele Versicherer Beiträge zurück. Wer gesund ist und selten zum Arzt geht, holt einen Teil der Prämie wieder rein.

4. Tarif zum Lebensabschnitt wählen

Wer keinen Wert auf Einbettzimmer oder Chefarztbehandlung legt, kann auf diese Bausteine verzichten. Die Grundversorgung über die Beihilfe plus ein guter Restkostentarif ist auch ohne Premium-Optionen solide.

5. Familie sauber mitversichern

Kinder versicherst du mit 80 % Beihilfe besonders günstig. Bei der Ehepartnerin oder dem Ehepartner gilt eine Einkommensgrenze. Diese rechnest du am besten mit deiner Beihilfestelle gemeinsam durch.

6. Vor Vertragsabschluss vergleichen

Ein späterer Tarifwechsel innerhalb desselben Versicherers ist möglich, aber komplizierter als der saubere Vergleich vor Unterschrift. Plane dafür ein bis zwei Beratungstermine ein.

Diese Stellschrauben funktionieren unabhängig vom Anbieter. Sie greifen bei Debeka genauso wie bei Continentale, Barmenia, Allianz, Deutscher Ring, HUK-Coburg, ARAG oder DBV — also bei allen grossen Beamten-PKV-Spezialisten am deutschen Markt.

Spezialfall Beamtenanwärter

Anwärterinnen und Anwärter sind die Gruppe mit dem grössten Spar-Hebel. Drei Punkte sind dabei zentral:

  • Eintrittsalter. Wer mit 22 oder 25 einsteigt, sichert sich Beiträge, die ein 35-jähriger Berufseinsteiger so nicht mehr bekommt.
  • Risikozuschlag-Verzicht-Aktionen. Mehrere Versicherer verzichten unter bestimmten Bedingungen auf Risikozuschläge für Anwärterinnen und Anwärter oder begrenzen sie. Diese Aktionen ändern sich. Ein aktueller Vergleich zeigt, wer aktuell teilnimmt.
  • Familienschutz mitdenken. Schon im Anwärter-Stadium lohnt es sich, Partner und mögliche Kinder gedanklich mitzudenken. Manche Tarife haben günstige Familienoptionen, die du später nicht mehr in gleicher Form nachholen kannst.

Wenn du tiefer in das Thema willst, findest du auf Beamtenanwärter Krankenversicherung sofort einen eigenen Ratgeber mit Fokus auf den Schutz ab Tag 1 der Verbeamtung.

Was passiert im Ruhestand?

Mit dem Übergang in die Pension steigt der Beihilfesatz in vielen Fällen auf 70 Prozent. Dein PKV-Tarif passt sich entsprechend an, weil nur noch 30 Prozent Restkosten zu versichern sind.

  • Der Übergang ist nicht immer automatisch. Du musst deinen Versicherer aktiv informieren und den Tarif umstellen lassen.
  • Beiträge sinken im Ruhestand häufig, weil du Alterungsrückstellungen aufgebaut hast und der Versicherungsumfang sich reduziert.
  • Eine Sonderrolle spielen private Pflegezusatzversicherungen, die im Alter relevanter werden. Sie sind kein Bestandteil der beihilfekonformen PKV, sondern ein eigener Vertrag.

Vorerkrankungen: die Öffnungsaktion

Wer Vorerkrankungen hat, muss nicht zwangsläufig in die GKV oder die Anwartschaftsversicherung. Der PKV-Verband koordiniert eine sogenannte Öffnungsaktion: Teilnehmende Versicherer verpflichten sich, Beamtinnen und Beamte unter bestimmten Bedingungen aufzunehmen und Risikozuschläge zu begrenzen.

Was du wissen solltest

Die Aktion gilt nur, wenn du sie zeitnah nach Verbeamtung oder bei der Erstantragstellung in Anspruch nimmst. Es gibt Fristen. Nicht alle Versicherer machen mit. Eine aktuelle Liste der teilnehmenden Anbieter führt der PKV-Verband. Auch in der Öffnungsaktion bleibt das Recht auf den Basistarif unberührt. Der Basistarif ist gesetzlich definiert und für jede beihilfeberechtigte Person zugänglich.

Im Beratungsgespräch erklärt dir ein unabhängiger Vermittler, ob die Öffnungsaktion in deinem Fall greift. Wichtig: Stelle den Antrag früh, nicht spät.

Beihilfeergänzungstarif: was ist das?

Beihilfe deckt nicht alles. Bestimmte Leistungen, etwa höherwertiger Zahnersatz oder bestimmte Heilmittel, werden nur anteilig oder gar nicht von der Beihilfe übernommen. Hier setzt der Beihilfeergänzungstarif an: Er springt für genau die Lücken ein, die zwischen Beihilfeleistung und Rechnung verbleiben.

Ob du einen Ergänzungstarif brauchst, hängt davon ab,

  • wie umfassend deine eigene Beihilferegelung ist,
  • welche Erwartungen du an Zahnersatz, Sehhilfen oder spezialisierte Therapien hast,
  • und wie viel Bürokratie du tolerierst.

Für viele Beamte ist der Ergänzungstarif sinnvoll, aber nicht zwingend. Ein guter Restkostentarif deckt schon viel ab. Lass dir die Lücken konkret aufzeigen, bevor du einen Zusatzbaustein abschliesst.

Beamten-PKV vergleichen: die Anbieter-Landschaft

Am deutschen Markt gibt es eine Handvoll Versicherer, die sich auf Beamten-Tarife spezialisiert haben. Dazu zählen unter anderem Debeka, Deutscher Ring (Signal Iduna), Barmenia, Continentale, DBV (Axa-Gruppe), HUK-Coburg, ARAG und weitere.

Welcher Versicherer für dich der richtige ist, hängt von mehreren Punkten ab:

  • Wie ist der Tarif kalkuliert? Stabile Beitragsentwicklung über Jahrzehnte ist wichtiger als ein günstiger Einstiegsbeitrag.
  • Wie sind die Leistungen im Detail? Zahnersatz, Heilmittel, Psychotherapie und stationäre Wahlleistungen unterscheiden sich teils deutlich.
  • Wie ist die Service-Erfahrung mit Beihilfe-Abrechnung? Manche Versicherer arbeiten direkt mit deiner Beihilfestelle zusammen, andere nicht.
  • Gibt es Aktionen für Anwärterinnen und Anwärter, die jetzt gerade laufen?

Wir behaupten bewusst nicht, ein bestimmter Anbieter sei der "günstigste" oder "Testsieger". Solche Aussagen wären sachlich falsch und rechtlich angreifbar. Der günstigste Tarif für eine 26-jährige Lehramtsanwärterin ohne Vorerkrankungen ist ein anderer als für einen 41-jährigen Verwaltungsbeamten mit zwei Kindern. Was wir tun: Wir lassen dich vergleichen, mit einem Rechner, der mehrere Anbieter gleichzeitig prüft.

Häufige Fragen

Beihilfekonforme PKV in 6 Antworten

Häufig gestellte Fragen

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