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Ratgeber für Neuankömmlinge

Ökogas: wirklich klimaneutral, oder nur ein grünes Etikett?

Ökogas klingt nach gutem Gewissen beim Heizen. Die Wahrheit ist nüchterner: In den meisten Tarifen steckt ganz normales Erdgas, dessen CO₂ über Zertifikate ausgeglichen wird. Beim Verbrennen entsteht trotzdem genauso viel CO₂. Ob das Klima wirklich etwas davon hat, hängt vom Zertifikat ab, und genau da trennt sich Seriöses vom Greenwashing.

Ökogas und Biogas in Deutschland: klimafreundlich heizen mit Durchblick
Stand: 15. Juni 2026 · Redaktion meinetarife24

Das Wichtigste in Kürze

  • Zwei Varianten: echtes Biogas aus Biomasse und klimaneutral gestelltes Erdgas. Die meisten „Ökogas“-Tarife gehören zur zweiten Gruppe.
  • Prüf die Kompensation: eine Correctiv-Recherche von 2024 untersuchte rund 150 Anbieter und fand bei vielen keine nachvollziehbare CO₂-Kompensation.
  • Auf das Zertifikat achten: Gold Standard, Verified Carbon Standard und das Grünes Gas-Label sind die strengsten.
  • Kosten: laut Finanztip kostet ein klimaneutraler Tarif meist 50 bis 250 Euro im Jahr Aufpreis. Echtes Biogas ist deutlich teurer.

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Was Ökogas bringt, und was nicht

Ehrlich gesagt: Ökogas ist kein Wundermittel. Aber mit dem richtigen Tarif kannst du beim Heizen tatsächlich etwas bewegen.

Gleiche Leitung, keine neue Heizung

Ökogas kommt durch dieselben Rohre wie bisher. Technisch ändert sich für dich nichts.

Es kommt aufs Zertifikat an

Ob das Klima wirklich profitiert, entscheidet die Qualität des CO₂-Zertifikats, nicht das grüne Etikett.

Echtes Biogas ist knapp

Reines Biogas aus Reststoffen ist begrenzt verfügbar und entsprechend teurer als kompensiertes Erdgas.

Aufpreis überschaubar

Für klimaneutrale Tarife sind es laut Finanztip oft 50 bis 250 Euro pro Jahr.

Was bedeutet „klimaneutral“ bei Gas wirklich?

Wenn du einen Ökogas-Tarif abschließt, liefert dein Anbieter weiter normales Erdgas durch dieselben Leitungen. Der Unterschied ist erst mal nur rechnerisch: Für jede Kilowattstunde, die du verheizt, kauft der Anbieter ein CO₂-Zertifikat. Das Geld fließt in Klimaschutzprojekte, etwa Aufforstung oder erneuerbare Energien in Entwicklungsländern. Am Brennstoff in deiner Therme ändert das nichts.

Das Umweltbundesamt nennt das freiwillige Kompensation und ist dabei klar: Erst vermeiden, dann reduzieren, und nur den Rest ausgleichen. Kompensation ist der letzte Schritt, nicht der erste. Genau das geht in der Werbung oft unter.

Ist Ökogas wirklich klimaneutral?

Oft ist weniger „klimaneutral“, als der Name verspricht. Eine Correctiv-Recherche vom April 2024 hat rund 150 Anbieter unter die Lupe genommen, die „klimaneutrales“ Gas verkaufen. Bei vielen ließ sich nicht nachvollziehen, wohin die CO₂-Kompensation wirklich geht. Manche Projekte wären ohnehin gelaufen, auch ohne das Geld aus den Zertifikaten.

Der Bundesgerichtshof hat 2024 entschieden (Urteil I ZR 98/23): Mit „klimaneutral“ darf nur werben, wer direkt in der Anzeige erklärt, wie diese Klimaneutralität zustande kommt, also ob durch Reduktion oder durch Kompensation. Schwammige Versprechen ohne Beleg sind irreführend. Ab dem 27. September 2026 verschärft die EU-Richtlinie 2024/825 (EmpCo) das noch: Reine Kompensationsclaims werden dann weitgehend unzulässig.

Tipp der Verbraucherzentrale: Wenn du wirklich etwas fürs Klima tun willst, senke zuerst den Verbrauch (Dämmung, niedrigere Raumtemperatur, kürzer duschen). Wähle danach einen Tarif mit echtem Biogas aus Reststoffen. Reine Zertifikate sind nicht dasselbe. Mehr Tarife findest du im Gasvergleich.

Welche Zertifikate kannst du ernst nehmen?

Nicht jedes Siegel sagt etwas über die Klimawirkung. Diese vier solltest du auseinanderhalten:

  • Gold Standard: WWF-Initiative seit 2003. Prüft am strengsten, ob ein Projekt zusätzlich ist und sozial wie ökologisch wirkt.
  • Verified Carbon Standard (VCS): internationaler Standard von Verra. Fokus auf Messbarkeit und Dauerhaftigkeit der CO₂-Reduktion.
  • Grünes Gas-Label: deutsches Siegel mit Mindestanteil echtem Biogas plus Investition in die Energiewende.
  • Reine TÜV- oder „klimaneutral“-Label: bestätigen oft nur die Herkunft, nicht die Klimawirkung. Mit gesunder Skepsis lesen.

Was kostet Ökogas?

Normales Gas kostet 2026 im Schnitt rund 11 Cent pro Kilowattstunde (Quelle: BDEW-Gaspreisanalyse). Ein Haushalt mit 15.000 kWh Jahresverbrauch zahlt dafür etwa 1.650 Euro. Auf diesen Grundpreis kommt beim Ökogas ein Aufpreis, je nachdem, wie „grün“ der Tarif wirklich ist:

TarifartAufpreis pro Jahr*Echte Klimawirkung
Klimaneutrales Erdgas (CO₂-Ausgleich)ca. 50 bis 250 Eurohängt komplett vom Zertifikat ab
Erdgas mit 10 bis 50 % Biogasmeist etwas mehrteilweise echte Reduktion
100 % echtes Biogasdeutlich höherechte Substanz, aber knapp

*Richtwerte für klimaneutrale Tarife laut Finanztip, bezogen auf rund 15.000 kWh Jahresverbrauch. Der genaue Aufpreis hängt vom Anbieter und vom Biogas-Anteil ab.

Anbieter mit gutem Ruf

Für strenge Kriterien und echtes Reststoff-Biogas sind unter anderem Polarstern, Naturstrom und Green Planet Energy bekannt. Entscheidend ist der Nachweis, nicht der bekannte Name: Lass dir das konkrete Projekt zeigen und prüf, ob das Zertifikat unabhängig kontrolliert wird.

Wenn du auch beim Strom auf Ökoanbieter setzen willst, findest du das passende Pendant im Ökostromvergleich. Und falls du gerade neu in Deutschland bist und noch in der teuren Grundversorgung steckst, erklärt dir unser Ratgeber zur Gas-Grundversorgung, wie du da rauskommst.

Häufige Fragen zu Ökogas

Was ist Ökogas eigentlich?

Ökogas ist ein Sammelbegriff, kein geschützter Standard. Dahinter stecken zwei sehr unterschiedliche Dinge: echtes Biogas aus Biomasse wie Gülle oder Bioabfall, und ganz normales Erdgas, dessen CO₂-Ausstoß über Zertifikate ausgeglichen wird. Die meisten Tarife, die du als „Ökogas“ findest, gehören zur zweiten Gruppe.

Ist Ökogas wirklich klimaneutral?

Beim Heizen entsteht genauso viel CO₂ wie bei normalem Erdgas. Klimaneutral wird der Tarif erst rechnerisch, über CO₂-Zertifikate. Eine Correctiv-Recherche von 2024 hat rund 150 Anbieter geprüft und bei vielen keine überprüfbare Kompensation gefunden. Ob das Klima wirklich profitiert, hängt also komplett von der Qualität des Zertifikats ab.

Welche Zertifikate sind verlässlich?

Am strengsten gelten der Gold Standard (eine WWF-Initiative) und der Verified Carbon Standard (VCS). Beide prüfen, ob ein Klimaprojekt zusätzlich ist und tatsächlich wirkt. Das deutsche Grünes Gas-Label verlangt zusätzlich einen Mindestanteil echtes Biogas. Reine TÜV-Herkunftsnachweise sagen dagegen wenig über die Klimawirkung aus.

Ist Ökogas teurer als normales Gas?

Nicht zwangsläufig. Laut Finanztip liegt der Aufpreis für klimaneutrale Tarife oft bei rund 50 bis 250 Euro im Jahr bei einem Verbrauch von etwa 15.000 kWh. Tarife mit echtem 100-Prozent-Biogas sind deutlich teurer, weil die Substanz knapp ist. Manchmal ist ein günstiger Ökogas-Tarif sogar billiger als die teure Grundversorgung.

Was ist der Unterschied zwischen Biogas und klimaneutralem Gas?

Biogas ist physisch ein anderer Stoff: Es entsteht aus Biomasse wie Reststoffen oder Energiepflanzen. Klimaneutrales Erdgas ist dagegen normales Erdgas, dessen Emissionen nur rechnerisch über Klimaschutzprojekte ausgeglichen werden. Echtes Biogas ersetzt fossiles Gas, die Kompensation nicht.

Wie wechsle ich zu einem Ökogas-Tarif?

Der Wechsel ist kostenlos und in wenigen Minuten online erledigt. Dein neuer Anbieter übernimmt die Kündigung beim alten Versorger. Während des Wechsels läuft deine Gasversorgung ohne Unterbrechung weiter, der Ablauf ist in Deutschland standardisiert. Springt ein Vertrag einmal nicht rechtzeitig an, greift die Ersatzversorgung nach § 38 EnWG. Eine neue Heizung brauchst du nicht.

Woran erkenne ich einen seriösen Ökogas-Anbieter?

Frag konkret nach: Projekt-ID, Standort und Prüfbericht der Klimaprojekte. Seriöse Anbieter legen das offen. Für strenge Kriterien und echtes Reststoff-Biogas sind zum Beispiel Polarstern, Naturstrom und Green Planet Energy bekannt. Wer nur mit dem Wort „klimaneutral“ wirbt, ohne Quelle, ist es meist nicht wert.

Wichtige Begriffe kurz erklärt

Ökogas = Sammelbegriff für Biogas und klimaneutral gestelltes Erdgas
Biogas = Gas aus Biomasse wie Gülle, Bioabfall oder Reststoffen
Klimaneutral = CO₂-Ausstoß wird über Zertifikate rechnerisch ausgeglichen
CO₂-Kompensation = Ausgleich der Emissionen über Klimaschutzprojekte
Gold Standard = Strenges Zertifikat für Klimaprojekte (WWF-Initiative)
Grünes Gas-Label = Deutsches Siegel mit Mindestanteil echtem Biogas
Grundversorgung = Standardtarif des örtlichen Versorgers, meist teurer
Anbieterwechsel = Kostenloser Wechsel zu einem anderen Gasanbieter

Tipp für Neuankömmlinge

In Deutschland kannst du deinen Gasanbieter frei wählen, ganz ohne Schufa-Hürde bei vielen Tarifen. Der Wechsel ist kostenlos und während des Wechsels läuft die Versorgung ohne Unterbrechung weiter. Achte bei Ökogas auf das konkrete Zertifikat (Gold Standard oder VCS), nicht nur auf das Wort „klimaneutral“. So zahlst du nicht für ein grünes Etikett, hinter dem wenig steckt.

Den richtigen Ökogas-Tarif finden

Finde einen Tarif, dessen Zertifikat du wirklich nachprüfen kannst, statt dich aufs grüne Label zu verlassen.