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Ratgeber für Expats und Neuankömmlinge

Arten von Gasangeboten in Deutschland
Tarifarten einfach erklärt

Grundversorgung, Festpreis, Preisgarantie, Ökogas oder Pakettarif: Der deutsche Gasmarkt kennt viele Tarifformen, und dazu noch zwei Gasqualitäten (L-Gas und H-Gas). Dieser Ratgeber erklärt verständlich, welche Arten von Gasangeboten es gibt und welcher Tarif zu deinem Verbrauch passt, auch ohne Vorwissen über den deutschen Energiemarkt.

Illustration verschiedener Gastarife und Gasangebote in Deutschland - meinetarife24.de

Das Wichtigste in Kürze

  • In Deutschland gibt es fünf gängige Tarifarten: Grundversorgung, Festpreis, Preisgarantie, Ökogas und Pakettarif.
  • L-Gas und H-Gas unterscheiden sich im Brennwert; die Umstellung betrifft nur den Verbrauch in Kubikmetern, nicht deine Energiekosten.
  • Entscheidend ist immer das Zusammenspiel aus Arbeitspreis und Grundpreis, nicht ein einzelner Wert allein.
  • Ein gezielter Tarifvergleich auf Basis deines echten Jahresverbrauchs spart oft mehrere hundert Euro im Jahr.

Stand: 15. Juni 2026 · Redaktion meinetarife24 · Lesezeit: ca. 9 Minuten

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Die fünf Arten von Gasangeboten

Gastarife für Haushaltskunden werden in Deutschland grob in fünf Kategorien unterschieden. Jede spricht andere Bedürfnisse an: Wer Planungssicherheit sucht, wählt anders als jemand, der vor allem flexibel bleiben will. Hier ist der Überblick.

Grundversorgungstarif

Der Standardtarif, den jeder Haushalt automatisch erhält, wenn kein anderer Vertrag besteht. Grundversorger sind gesetzlich verpflichtet, jeden Haushalt zu beliefern und ihre Preise öffentlich zu veröffentlichen.

Vorteil

Keine Kündigung nötig, automatische Versorgung

Nachteil

Oft der teuerste Tarif im Marktvergleich

Für wen

Wer gerade umgezogen ist oder kurzfristig keinen Wechsel plant

Festpreistarif

Sichert den Arbeitspreis pro Kilowattstunde für eine festgelegte Laufzeit, typischerweise 12 bis 24 Monate. Das schützt vor Preiserhöhungen und erleichtert die Budgetplanung.

Vorteil

Planungssicherheit, kein Risiko durch Marktschwankungen

Nachteil

Kein Profitieren von sinkenden Marktpreisen

Für wen

Haushalte mit stabilem Verbrauch, die Kostensicherheit bevorzugen

Tarif mit Preisgarantie

Schützt zeitlich begrenzt vor Preiserhöhungen. Anders als der Festpreis kann der Anbieter den Preis nach Ablauf der Garantiezeit anpassen. Garantien reichen von wenigen Monaten bis zu zwei Jahren.

Vorteil

Schutz vor kurzfristigen Erhöhungen

Nachteil

Garantie gilt nur für den vereinbarten Zeitraum

Für wen

Wer mittelfristige Sicherheit sucht, aber flexibel bleiben will

Ökogastarif

Wird als klimaneutrales oder CO₂-kompensiertes Gas vermarktet, oft mit einem Anteil Biomethan (meist 5 bis 10 %) oder über die Förderung von Klimaschutzprojekten.

Vorteil

Reduzierter CO₂-Fußabdruck, Förderung erneuerbarer Energien

Nachteil

Meist etwas teurer als konventionelle Tarife

Für wen

Umweltbewusste Haushalte mit Nachhaltigkeitszielen

Pakettarif

Legt einen Festpreis für ein bestimmtes Gasvolumen fest. Du zahlst für eine vereinbarte Menge, unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch.

Vorteil

Maximale Kostentransparenz, keine Überraschung bei der Abrechnung

Nachteil

Mehrverbrauch wird oft zu höheren Preisen abgerechnet

Für wen

Haushalte mit sehr stabilem, vorhersehbarem Verbrauch

Profi-Tipp

Prüfe bei jedem Tarif nicht nur den Arbeitspreis, sondern auch Laufzeit, Kündigungsfristen und Bonuszahlungen. Ein günstiger Arbeitspreis mit langer Mindestlaufzeit kann langfristig teurer sein als ein etwas höherer Preis mit kurzer Bindung. Mehr dazu im Ratgeber zur Preisgarantie beim Gas.

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L-Gas und H-Gas: die zwei Gasqualitäten

Neben den Tarifarten gibt es in Deutschland zwei technisch unterschiedliche Gasqualitäten: L-Gas (niederkalorisches Gas) und H-Gas (hochkalorisches Gas). L-Gas hat einen Brennwert von etwa 10 kWh/m³, H-Gas von etwa 11,5 kWh/m³. Das klingt technisch, betrifft aber Heizung und Gasherd direkt.

L-Gas (Low Calorific)

Stammt traditionell aus niederländischen und norddeutschen Feldern und wird vor allem in Nordwestdeutschland genutzt. Weil diese Felder zunehmend erschöpft sind, läuft L-Gas schrittweise aus.

H-Gas (High Calorific)

Kommt aus Norwegen und über internationale Importe (auch als LNG) und hat einen höheren Energiegehalt. Deutschland stellt sein Netz bis etwa 2030 schrittweise vollständig auf H-Gas um.

Was die Umstellung für dich bedeutet

Gasgeräte prüfen: Herd, Heizung und Warmwasserbereiter auf Kompatibilität kontrollieren lassen.
Netzbetreiber informiert dich: Betroffene Haushalte werden frühzeitig angeschrieben, die Anpassung übernimmt in der Regel der Netzbetreiber kostenfrei.
Fachbetrieb beauftragen: Anpassungen nur von zertifizierten Installateuren durchführen lassen.
Verbrauch in m³ sinkt: Da H-Gas mehr Energie pro Kubikmeter enthält, brauchst du weniger Kubikmeter für dieselbe Wärme. Deine Kosten in Euro ändern sich dadurch nicht wesentlich.

Merke: Die Gasart steht nicht auf deinem Tarifzettel und ist auch kein Auswahlkriterium beim Wechsel. Für deine Rechnung zählt allein der Verbrauch in Kilowattstunden, und genau damit vergleichst du Tarife.

Gastarife für deinen Verbrauch vergleichen

Gib deinen Jahresverbrauch und deine Postleitzahl ein und vergleiche kostenlos und unverbindlich. So siehst du sofort, welche Tarifart und welcher Anbieter zu deinem Verbrauchsprofil und deiner Region passen.

Unabhängiger, kostenloser Vergleich. meinetarife24 finanziert sich über Provisionen der Anbieter, für dich entstehen keine zusätzlichen Kosten.

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Arbeitspreis und Grundpreis verstehen

Die Kosten bei jedem Gasangebot setzen sich aus zwei Teilen zusammen: dem Arbeitspreis und dem Grundpreis. Wer nur auf den Arbeitspreis schaut, trifft oft die falsche Entscheidung.

Arbeitspreis

Der Preis pro verbrauchter Kilowattstunde (ct/kWh). Bei 8 ct/kWh und 15.000 kWh im Jahr zahlst du allein für den Verbrauch 1.200 Euro. Schon 1 ct/kWh Unterschied macht hier 150 Euro im Jahr aus, der größte Hebel für Haushalte mit hohem Verbrauch.

Grundpreis

Eine feste monatliche Gebühr für Zähler, Netz und Verwaltung, unabhängig vom Verbrauch. Typisch sind 5 bis 15 Euro pro Monat (60 bis 180 Euro im Jahr). Für Haushalte mit niedrigem Verbrauch ist er oft der entscheidende Kostenfaktor.

Beispielrechnung: Welcher Tarif ist günstiger?

Zwei Tarife im Vergleich, einmal mit niedrigem Arbeitspreis und höherem Grundpreis, einmal umgekehrt:

Verbrauch/JahrTarif A
8 ct/kWh + 10 €/Monat
Tarif B
9 ct/kWh + 5 €/Monat
Günstiger
5.000 kWh520 €510 €Tarif B
10.000 kWh920 €960 €Tarif A
15.000 kWh1.320 €1.410 €Tarif A
20.000 kWh1.720 €1.860 €Tarif A

Das Ergebnis ist eindeutig: Bei niedrigem Verbrauch zählt ein geringer Grundpreis mehr als ein niedriger Arbeitspreis. Bei hohem Verbrauch dreht sich das Verhältnis um. Ein kleiner Haushalt mit 5.000 kWh fährt mit Tarif B besser, obwohl dessen Arbeitspreis höher ist.

Person prüft am Schreibtisch ihren Gasvertrag und vergleicht Arbeitspreis und Grundpreis

Beispielwerte zur Veranschaulichung. Deinen konkreten Vergleich machst du mit dem Gasvergleich.

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In fünf Schritten richtig vergleichen

Der wichtigste Faktor beim Sparen ist der vollständige Vergleich aus Arbeitspreis, Grundpreis, Laufzeit und Preisgarantie. Wer nur den Arbeitspreis vergleicht, übersieht oft versteckte Kosten. So gehst du strukturiert vor:

1

Jahresverbrauch ermitteln

Schau auf deine letzte Jahresabrechnung und notiere den tatsächlichen Verbrauch in Kilowattstunden. Eine genaue Zahl ist die Grundlage für jeden sinnvollen Vergleich.

2

Gesamtkosten berechnen, nicht nur den Arbeitspreis

Addiere Arbeitspreis mal Verbrauch und den jährlichen Grundpreis. Nur diese Summe zeigt, was du wirklich zahlst.

3

Laufzeit und Kündigungsfristen prüfen

Kurze Laufzeiten (12 Monate) geben Flexibilität, lange (24 Monate) oft günstigere Preise. Achte auf automatische Verlängerung, wenn du nicht rechtzeitig kündigst.

4

Preisgarantie und Boni bewerten

Eine Preisgarantie schützt zeitlich begrenzt vor Erhöhungen. Rechne Boni auf die Laufzeit um: 100 Euro Bonus bei 24 Monaten sind nur gut 4 Euro pro Monat.

5

Wechsel durchführen und Fristen beachten

Der neue Anbieter übernimmt meist die Kündigung. Zwischen Abschluss und Versorgungsbeginn liegen oft 4 bis 6 Wochen, plane den Wechsel also rechtzeitig vor Vertragsende.

Gut zu wissen: Die seit dem 6. Juni 2025 geltende 24-Stunden-Regel für den technischen Anbieterwechsel gilt nur für Strom, nicht für Gas. Vergleiche Gastarife am besten einmal im Jahr, idealerweise 6 bis 8 Wochen vor Ablauf deines aktuellen Vertrags.

5

Ökogas im Detail: was wirklich dahintersteckt

Ökogas ist nicht gleich Ökogas. Hinter dem Begriff stehen drei grundlegende Modelle, die sich stark in ihrer tatsächlichen Klimawirkung unterscheiden.

Beimischung von Biomethan: Biomethan entsteht aus organischen Abfällen, Gülle oder nachwachsenden Rohstoffen und wird ins Erdgasnetz eingespeist. Der Anteil liegt bei den meisten Tarifen zwischen 5 und 10 %.
CO₂-Kompensation: Der Anbieter kauft Emissionszertifikate oder finanziert Klimaschutzprojekte, um die CO₂-Emissionen des gelieferten Gases rechnerisch auszugleichen. Ohne unabhängige Zertifizierung schwer überprüfbar.
Kombination aus beidem: Manche Tarife verbinden einen physischen Biomethan-Anteil mit zusätzlicher CO₂-Kompensation für den restlichen Erdgasanteil.

Worauf du achten solltest: Wer wirklich auf Umweltfreundlichkeit setzt, achtet auf einen nachweisbaren Biomethan-Anteil und anerkannte, unabhängige Zertifikate. Reine CO₂-Kompensation ohne Nachweis ist oft eher Marketing als echter Klimaschutz. Einen strukturierten Überblick bietet der Ökogas-Ratgeber.

Gasangebote für Gewerbe und Selbstständige

Gewerbliche Tarife unterscheiden sich von Haushaltstarifen: Gewerbekunden haben meist keinen Anspruch auf Grundversorgung und handeln Verträge aktiv aus. Der Verbrauch ist oft höher und schwankender, was andere Tarifstrukturen erfordert, etwa individuell verhandelte Jahresverträge mit festen Arbeitspreisen.

Für kleine Unternehmen und Selbstständige mit geringem Verbrauch lohnt sich ein Vergleich über ein Portal. Größere Betriebe verhandeln in der Regel direkt mit Versorgern oder ziehen einen Energieberater hinzu, da die Tarifwahl mehrere tausend Euro im Jahr ausmachen kann.

Für Expats und Neuankömmlinge

Wenn du gerade erst nach Deutschland gezogen bist, landest du fast immer automatisch in der Grundversorgung, dem meist teuersten Tarif. Begriffe wie Arbeitspreis, Grundpreis oder eingeschränkte Preisgarantie sind ohne Vorwissen schwer einzuordnen. Die gute Nachricht: Sobald du verstehst, wie Arbeitspreis und Grundpreis zusammenwirken, triffst du deutlich bessere Entscheidungen.

meinetarife24 erklärt diese Themen auf Deutsch, Englisch und Türkisch, damit du eine fundierte Entscheidung treffen kannst, auch wenn Deutsch nicht deine Muttersprache ist.

Häufig gestellte Fragen

Den passenden Gastarif finden

Du kennst jetzt die Arten von Gasangeboten. Vergleiche kostenlos und unverbindlich und finde den Tarif, der zu deinem Verbrauch passt.

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