Unfallversicherung Invalidität 2026Gliedertaxe, Progression & Berechnung
Stand: 25. Mai 2026 · Redaktion meinetarife24
Die Invaliditätsleistung ist die zentrale Auszahlung der privaten Unfallversicherung. Hier erklären wir dir Schritt für Schritt, wie dein Invaliditätsgrad ermittelt wird, was Gliedertaxe und Progression bedeuten und worauf du beim Tarifabschluss achten musst.
Marktdaten: Franke & Bornberg Rating 2025 (486 Tarife, 93 Gesellschaften). Empfehlung Grundsumme & Progression: Bund der Versicherten, Stiftung Warentest Heft 03/2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Dein Invaliditätsgrad ergibt sich aus der Gliedertaxe (Wert des Körperteils) und dem Grad der Funktionseinschränkung.
- Die Progression (mindestens 225 %) hebt die Leistung bei schweren Unfällen überproportional an — empfohlen vom Bund der Versicherten.
- Faustregel: 3- bis 6-faches Bruttojahresgehalt als Grundsumme, für Kinder 150.000 – 200.000 € fest.
- Auszahlung erfolgt nach ärztlichem Gutachten — meist etwa zwölf Monate nach dem Unfall, wenn der Zustand stabil beurteilbar ist.
- Die einmalige Kapitalleistung ist in der Regel steuerfrei. Eine Unfallrente wird mit Ertragsanteil nach § 22 EStG versteuert.
Quellen: GDV-Musterbedingungen AUB 2014 · § 178 VVG · BdV-Empfehlungen · Stiftung Warentest Finanztest Heft 03/2026.
Werbehinweis: Der Tarifrechner auf dieser Seite stammt von einem unabhängigen Vergleichsdienst. Bei einem Vertragsabschluss erhalten wir eine Provision — für dich entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten.
Tipp für Neuankömmlinge / Tip for Newcomers
Die gesetzliche Unfallversicherung in Deutschland (§ 8 SGB VII) deckt nur Arbeits- und Wegeunfälle ab. Für Freizeit, Sport und Haushalt brauchst du eine private Unfallversicherung — sonst gibt es bei dauerhafter Beeinträchtigung keine Auszahlung.
Statutory accident insurance only covers accidents at work and on the commute. For leisure-time injuries you need private accident insurance.
Wichtige deutsche Begriffe / Key German Terms
Die Gliedertaxe — so wird der Invaliditätsgrad berechnet
Jedes Körperteil hat einen festgelegten Invaliditätswert in Prozent. Die unten gezeigten Werte stammen aus den GDV-Musterbedingungen AUB 2014 und gelten als Marktstandard. Einzelne Anbieter bieten erweiterte Gliedertaxen mit höheren Werten an.
Arme & Hände
- Arm70%
- Arm bis Ellenbogen65%
- Hand55%
- Daumen20%
- Zeigefinger10%
- Andere Finger5%
Beine & Füße
- Bein über Mitte Oberschenkel70%
- Bein bis Knie60%
- Bein bis Mitte Unterschenkel50%
- Fuß40%
- Große Zehe5%
- Andere Zehen2%
Sinnesorgane
- Beide Augen100%
- Ein Auge50%
- Gehör beidseitig60%
- Gehör einseitig30%
- Geruchssinn10%
- Geschmackssinn5%
Wichtig zu wissen
Die GDV-Werte sind eine Empfehlung — kein Gesetz. Anbieter dürfen ihre eigene Gliedertaxe vereinbaren. Wer den Daumen für die Arbeit braucht (Chirurg, Handwerker), sollte einen Tarif mit erweiterter Gliedertaxe wählen: dort liegen Werte für Daumen, Hand und Auge deutlich über dem Standard.
Progression — mehr Geld bei schweren Unfällen
Die Progression sorgt dafür, dass die Auszahlung ab höheren Invaliditätsgraden überproportional wächst. Genau dort, wo der Bedarf am größten ist.
Ohne Progression
Bei 100.000 € Grundsumme:
- 25 % Invalidität25.000 €
- 50 % Invalidität50.000 €
- 75 % Invalidität75.000 €
- 100 % Invalidität100.000 €
225 % Progression
Bei 100.000 € Grundsumme:
- 25 % Invalidität25.000 €
- 50 % Invalidität75.000 €
- 75 % Invalidität150.000 €
- 100 % Invalidität225.000 €
500 % Progression
Bei 100.000 € Grundsumme:
- 25 % Invalidität25.000 €
- 50 % Invalidität125.000 €
- 75 % Invalidität300.000 €
- 100 % Invalidität500.000 €
Fazit: 225 % Progression ist ein guter Einstieg, 350 % oder 500 % lohnen sich vor allem, wenn dein Job stark körperlich ist oder du Hände und Augen für deinen Beruf brauchst. Mehr dazu im Unfallversicherung Vergleich 2026.
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Welche Invaliditätssumme passt zu dir?
Der Bund der Versicherten empfiehlt, die Grundsumme am Bruttoeinkommen auszurichten — kombiniert mit einer ausreichenden Progression.
Faustregel
3- bis 6-faches Bruttojahresgehalt als Grundsumme. Bei 50.000 € Gehalt sind das 150.000 – 300.000 €. Wer wenig Vermögen oder Reserven hat, sollte eher zum oberen Rand greifen.
Für Kinder
Mindestens 150.000 – 200.000 € fix. Bei Kindern fällt zwar kein Gehalt aus, dafür stehen lebenslange Reha- und Umbaukosten an. Die Verbraucherzentralen raten zu einer hohen Progression.
Mit Progression
Bei 225 % oder mehr Progression reicht eine niedrigere Grundsumme: Die Auszahlung steigt mit dem Invaliditätsgrad — genau dort, wo das Geld dringend gebraucht wird.
Beispielrechnung: so viel kommt am Ende heraus
Szenario: Verlust eines Beins unterhalb des Knies (Bein bis Mitte Unterschenkel)
Gliedertaxe-Wert: 50 % Invalidität
Grundsumme: 100.000 €
Ohne Progression
50.000 €
225 % Progression
75.000 €
500 % Progression
125.000 €
Ergebnis: Mit 225 % Progression bekommst du 50 % mehr als ohne. Bei voller Invalidität (100 %) wäre die Auszahlung bei gleicher Grundsumme sogar das 2,25-fache — also 225.000 € statt 100.000 €.
Steuern: Ist die Invaliditätsleistung steuerfrei?
Die einmalige Kapitalauszahlung aus einer privaten Unfallversicherung ist in der Regel steuerfrei. Sie zählt nicht zu den Einkünften aus Kapitalvermögen nach § 20 EStG, weil sie keine Verzinsung, sondern eine Versicherungsleistung darstellt.
Anders bei einer Unfallrente: Sie wird als Leibrente mit dem sogenannten Ertragsanteil nach § 22 EStG versteuert. Wie hoch der Anteil ist, hängt von deinem Alter bei Rentenbeginn ab — bei 65 Jahren liegt er beispielsweise bei 18 %.
Beiträge absetzen? Die Beiträge zur privaten Unfallversicherung sind nur dann als Sonderausgaben absetzbar, wenn die Versicherung beruflich veranlasst ist (etwa ein eigener Vertrag für die Selbständigkeit). Ein Steuerberater hilft bei der konkreten Einordnung.
Hinweis: Dieser Abschnitt ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Bei größeren Auszahlungen oder besonderen Konstellationen (Selbständigkeit, Hinterbliebenenleistung) lohnt sich der Gang zum Steuerberater oder zur Lohnsteuerhilfe.
Vom Unfall zur Auszahlung: der Schadenprozess
Eine Invaliditätsleistung gibt es nicht sofort. Die Versicherung muss prüfen, ob die Beeinträchtigung tatsächlich dauerhaft ist — und das braucht Zeit. So läuft der typische Ablauf:
- 1
Unfall melden — innerhalb von 7 Tagen
Direkt nach dem Unfall: schriftliche Meldung an die Versicherung. Wichtig: Versicherungsnummer angeben, Unfallhergang kurz beschreiben, Erstbehandlung dokumentieren (Krankenhausbericht, Notarzt-Protokoll).
- 2
Ärztliche Erstbescheinigung
Innerhalb von 15 Monaten nach dem Unfall muss ein Arzt schriftlich bestätigen, dass eine dauerhafte Beeinträchtigung wahrscheinlich ist. Sonst verfällt der Anspruch — diese Frist ist hart, nicht verhandelbar.
- 3
Gutachten zum Invaliditätsgrad — meist nach 12 Monaten
Etwa ein Jahr nach dem Unfall lässt sich beurteilen, ob die Schäden dauerhaft bleiben. Die Versicherung beauftragt ein medizinisches Gutachten, das den konkreten Invaliditätsgrad nach Gliedertaxe ermittelt.
- 4
Auszahlung oder Streit
Stimmt der Versicherte mit dem Gutachten überein, folgt die Auszahlung. Bei Uneinigkeit hast du Anspruch auf einen unabhängigen Obergutachter. Spätestens dann lohnt sich der Gang zum Fachanwalt für Versicherungsrecht oder zur Verbraucherzentrale.
- 5
Nachprüfung — bis zu 3 Jahre
In den ersten drei Jahren nach dem Unfall kann der Invaliditätsgrad neu bemessen werden, wenn sich der Zustand verschlechtert oder verbessert. Diese Frist solltest du im Hinterkopf behalten.
Mehrfachverletzungen: wie sich Invaliditätsgrade addieren
Bei mehreren Verletzungen aus einem Unfall werden die einzelnen Werte nach Gliedertaxe addiert. Die Summe ist allerdings auf 100 % gedeckelt — mehr gibt es nicht, auch wenn die Rechnung höher käme.
Beispiel:
Verlust eines Arms (70 %) und eines Auges (50 %) = 120 %. Ausgezahlt wird trotzdem nur 100 % Invaliditätsgrad. Bei 100.000 € Grundsumme und 225 % Progression sind das 225.000 €.
Bei Funktionseinschränkungen rechnest du anteilig: Ist ein Arm nach dem Unfall dauerhaft nur noch zu 60 % beweglich, ergibt das 70 % × 40 % = 28 % Invaliditätsgrad für den Arm. Die 40 % stehen für den Verlust, also 100 % minus 60 % verbliebene Funktion.
Wichtig: Bestehende Vorerkrankungen können den Auszahlungsbetrag reduzieren — das heißt Mitwirkungsanteil. Manche Tarife verzichten ab einem bestimmten Prozentwert (z. B. 25 %) auf die Kürzung. Ein Detail, das beim Vergleich gerne übersehen wird.
Berufsgruppen: welcher Tarif passt zu deinem Job?
Der passende Tarif hängt stark vom Beruf ab. Wer im Büro arbeitet, hat andere Risiken als jemand auf der Baustelle. Diese Übersicht ist eine grobe Richtschnur, keine individuelle Beratung.
| Berufsgruppe | Risikofokus | Empfehlung | Grundsumme |
|---|---|---|---|
| Bürojob (z. B. IT, Verwaltung) | Augen, Hände | Standardtarif, 225 % Progression | 3–4× Bruttogehalt |
| Handwerk, Bau, Pflege | Arme, Beine, Rücken | Erweiterte Gliedertaxe + 350 % Progression | 5–6× Bruttogehalt |
| Selbständige / Freiberufler | Spezialfähigkeiten (Hände, Stimme) | Maßgeschneiderte Gliedertaxe, 500 % Progression | 6× Bruttogehalt + BU prüfen |
| Eltern / Kinder | Kein Einkommensausfall, aber Reha & Umbau | Kindertarif, 225–500 % Progression | 150.000–200.000 € fix |
Hinweis: Stark körperliche Berufe können bei manchen Versicherern in Risikogruppe B oder C eingeordnet werden — der Beitrag ist dann höher. Für Selbständige kann zusätzlich eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll sein, weil sie auch bei Krankheit greift.
Dynamik und Karenzzeit: kleine Details, große Wirkung
Dynamische Anpassung
Eine Dynamik erhöht deine Versicherungssumme jährlich automatisch — typisch sind Schritte von 3 % bis 5 %. Sinnvoll, weil 100.000 € in fünfzehn Jahren weniger wert sind als heute. Du kannst der Erhöhung widersprechen, behältst aber dann das Risiko der Inflation selbst.
Karenzzeit / Wartezeit
In der privaten Unfallversicherung gibt es keine Wartezeit: Der Schutz beginnt mit der Annahme durch den Versicherer. Wer also heute abschließt und morgen einen Unfall hat, ist versichert. Anders bei Berufsunfähigkeit oder Krankenversicherungen — dort sind Karenzzeiten üblich.
Häufige Fragen zur Invaliditätsleistung
Ab welchem Invaliditätsgrad zahlt die Versicherung?
Viele Tarife leisten ab 1 % Invalidität. Andere Verträge legen eine Mindestschwelle von 5 % oder 10 % fest — darunter gibt es keine Auszahlung. Vor dem Abschluss lohnt sich ein Blick in die Bedingungen.
Wer bestimmt den Invaliditätsgrad?
Ein Arzt — meist etwa zwölf Monate nach dem Unfall, wenn der Zustand stabil beurteilbar ist. Die Versicherung beauftragt einen Gutachter. Bei Uneinigkeit über das Ergebnis hast du Anspruch auf ein unabhängiges Obergutachten.
Was passiert bei Funktionseinschränkungen ohne Verlust?
Funktionseinschränkungen werden anteilig zur Gliedertaxe verrechnet. Beispiel: Ist ein Arm nach dem Unfall dauerhaft nur noch zu 50 % beweglich, ergibt das 70 % (Arm) × 50 % (Einschränkung) = 35 % Invaliditätsgrad.
Ist die Invaliditätsleistung aus der Unfallversicherung steuerfrei?
Die einmalige Kapitalleistung ist in der Regel steuerfrei. Eine Unfallrente wird dagegen mit dem Ertragsanteil nach § 22 EStG versteuert. Beiträge sind nur dann absetzbar, wenn die Versicherung beruflich veranlasst ist.
Was ist der Unterschied zur Berufsunfähigkeitsversicherung?
Die Unfallversicherung zahlt nur bei dauerhafter körperlicher Beeinträchtigung infolge eines Unfalls — unabhängig vom Beruf. Die Berufsunfähigkeitsversicherung greift, sobald du deinen Beruf zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kannst, auch durch Krankheit.
Was passiert bei mehreren Verletzungen aus einem Unfall?
Die einzelnen Invaliditätsgrade nach Gliedertaxe werden addiert, gedeckelt auf 100 %. Wer Arm (70 %) und Auge (50 %) gleichzeitig verliert, kommt rechnerisch auf 120 %, erhält aber maximal 100 % als Auszahlungsbasis.
Was ist der Mitwirkungsanteil?
Bestehende Vorerkrankungen können die Auszahlung kürzen — das nennt man Mitwirkungsanteil. Manche Tarife verzichten ab einer Schwelle (z. B. 25 %) auf diese Kürzung. Beim Vergleich genauer hinschauen lohnt sich.
Kann ich die Invaliditätssumme nachträglich erhöhen?
Viele Versicherer bieten eine Dynamik an: Die Summe steigt jährlich automatisch (typisch 3–5 %). Bei besonderen Anlässen (Heirat, Geburt) ist oft auch eine Erhöhung ohne neue Gesundheitsprüfung möglich.
Wann verfällt der Anspruch auf Invaliditätsleistung?
Die Invalidität muss innerhalb von 15 Monaten nach dem Unfall ärztlich bescheinigt werden. Diese Frist ist hart. Der Anspruch selbst kann bei Verschlechterung noch bis zu drei Jahre nach dem Unfall angepasst werden.
Quellen und Rechtsgrundlagen
GDV-Musterbedingungen AUB 2014
Standard-Gliedertaxe der deutschen Versicherungswirtschaft
§ 178 VVG
Rechtliche Definition der Invaliditätsleistung
§ 8 SGB VII
Abgrenzung gesetzliche vs. private Unfallversicherung
Bund der Versicherten (BdV)
Empfehlungen zu Summe und Progression
Stiftung Warentest Finanztest Heft 03/2026
Aktueller Tarifvergleich Unfallversicherung
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Versicherungs- oder Steuerberatung. Konkrete Tarife und Bedingungen unterscheiden sich je nach Anbieter.
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Unfallversicherung Vergleich 2026
Tarife, Anbieter, Beiträge — alles im Überblick.
Welche Leistungen sind drin?
Bergungskosten, Krankenhaustagegeld, Übergangsleistung.
Was kostet eine UV?
Beiträge, Faktoren, Sparpotenzial.
Gesetzliche Unfallversicherung
Wo § 8 SGB VII greift — und wo eben nicht.
UV für die Familie
Kinder, Partner, Eltern absichern.
Ist eine UV sinnvoll?
Wann sich der Schutz wirklich lohnt.
Bereit für den Tarifcheck?
Vergleiche jetzt Unfallversicherungen mit unterschiedlichen Grundsummen, Progressionen und Gliedertaxen — kostenlos und unverbindlich.
Stand: 25. Mai 2026 · Redaktion meinetarife24 · Quellen: GDV AUB 2014, § 178 VVG, § 8 SGB VII, Bund der Versicherten, Stiftung Warentest Finanztest Heft 03/2026.